Orchester der Landesregierung
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Bund fürs Leben

Auf Umwegen zum OdL

Ich war fünfzehn, im Besitz einer Markneukirchner Fidel und hatte die beiden ersten Mozart-Konzerte "drauf", als es zu dem entscheidenden Gespräch zuwischen den Eltern und meinem Geigenlehrer kam. Der meinte nämlich, es sei nun an der Zeit, ans Musikstudium zu denken.
"Musiker? Nix da! Du erlernst einen anständigen Beruf", erklärte mein Vater kategorisch. Dazu gehörte seiner Meinung nach das Ing.-Studium. Basta!

In Nachhinein bin ich meinen Eltern dankbar, so entschieden zu haben: nicht zum Broterwerb, sondern aus Liebhaberei musizieren zu können. Während des Studiums besserte ich mit Musik mein Taschengeld auf: an Samstagen, meist in kleiner Formation Tanzmusik, z.T. auch in zwielichtigen Lokalen und an Sonntagen "Salonmusik" in Matinéen. Es gab damals, in den 30er Jahren, ja kaum Musikkonserven. Also wurde überall, auch im Funk, von zahllosen Kapellen live Musik gemacht.

Viel Freude brachte das Mitwirken im Collegium Musicum an der Hochschule.
In den Jahren danach, an der Front, war es natürlich still um die Musik. Im Mai 1945 wanderte ich für drei Jahre in französische Kriegsgefangenschaft und erlebte dort in Toulon meine musikantisch fruchtbarste Zeit. Wir erfuhren von unseren ehemaligen Feinden, den Franzosen, solch ungeahnte Freiheiten und Förderung der kulturellen Arbeit, dass diese Zeit hinter Stacheldraht trotz oft härtester Hafenkuli-Arbeit in meiner Erinnerung durch das Musikschaffen heute noch verbrämt ist.

Im Lager waren ja alle Berufe vertreten, also auch Musiker oder Schauspieler. Instrumente waren vorhanden, aber es gab keine Noten. Folglich saßen wir nachts zu viert (3 Profis und ich) beieinander und schrieben aus dem Gedächtnis Partituren vieler bekannter Stücke für unser zeitweilig 20 Mitglieder starkes Orchester.

In den mageren Jahren der Arbeitssuche nach der Gefangenschaft bekam ich Kontakt zu Werksorchestern, Kammermusikkreisen und schließlich zum Städtischen Musikverein Langenfeld, dessen Dirigent in über zwanzig Jahren fast alle bekannten Symphonien mit uns einstudierte.

Zwei Dinge brachten dann die große Wende: meine Pensionierung und der Wunsch nach einem besseren Orchester, und ... die Geigerin neben mir im Benrather Kammerorchester. Sie warb mich fürs Orchester der Landesregierung - und ich warb um sie, nach einer großartigen Feuerwerksmusik hinter dem Benrather Schloß. Nach Jahresfrist fehlten eines dienstags in der Probe die Noten auf unserem Pult. Das Orchester fing einfach an und intonierte den "Hochzeitsmarch" aus Mendelssohns Sommernachtstraum, nur für uns. Das war ein sehr bewegendes Gefühl, den "Bund fürs Leben" unter musikalischen Vorzeichen zu schließen.

Seit nunmehr 20 Jahren gehöre ich zu dieser herrlichen Musiziergemeinschaft und finde es ist wunderschön, an einem Pult im OdL zu sitzen - und dienstags zu zweit zur Probe zu fahren.

Hellmut Kummer


 

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