Orchester der Landesregierung
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Durst nach Musik

Über Beruf und Probenarbeit

Ich war 16 Jahre, als der 2. Weltkrieg endete, kam in "Räuberzivil" nach Hause und hatte von Musik wenig Ahnung, wenn auch die Leute behaupteten, ich sei sehr musikalisch. Im Herbst 1945 fand meine Mutter den Hinweis in einer Zeitung: " Der Städtische Musikverein beginnt wieder mit den Proben". Mutter drängte mich hinzugehen, was ich dann auch tat. Ich traf im Konservatorium in der Inselstraße alte und neue Sänger(-innen), die da zusammengekommenwaren, um mit Heinrich Hollreiser, dem neuen Düsseldorfer Generalmusikdirektor "Die Schöpfung" einzustudieren.

Hollreiser lächelte mich freundlich an und fragte dann laut eher etwas skeptisch: "Singen Sie noch Sopran, oder wollen Sie mal Tenor versuchen?" Das war der bemerkenswerte Anfang.

Nach dieser ersten Probe begann über Jahre hinweg eine herrliche Sängerzeit. Ich lernte die großen Oratorien kennen. Michel Rühl, der auch künstlerischer Leiter des OdL war, studierte die Chorpartien ein und brachte es überzeugend fertig, seine eigene Liebe zur Musik auf die Chormitglieder zu übertragen. Daneben gab es Abitur, Geigenunterricht, Lehrerausbildung, Eintritt in den Schuldienst, was damals mit der Übernahme einer Klasse von 65 bis 70 Schülern bei 30 Wochenstunden ohne begleitendes Seminar verbunden war und ein Gehalt von rund 200 DM brutto einbrachte, Besuch der Musikhochschule Köln, Familiengründung, erste Streichquartetterfahrungen und die Mitarbeit an der Musikschule Düsseldorf.

In Anlehnung an ein Wort Artur Schopenhauers könnte ich behaupten: "Die Musik (- bei Schopenhauer: das Geld -) gleicht dem Seewasser; je mehr davon getrunken wird, desto durstiger wird man."

Im Jahre 1969 wurde ich durch ein Mitglied auf das OdL aufmerksam. Ich trat sofort bei, und meine Freude an der Musik wurde in nun bald 30 Jahren immer weiter vertieft. Dazu trugen die Dirigenten Otto Kleinhammes und zwanzig Jahre lang, Franz Lamprecht bei. Die Musik hat viel Zeit gekostet; meine Frau und meine vier Kinder haben das alles mitgetragen: das Üben, die Aufregungen bei Aufführungen und die Freude über gelungene Auftritte - und immer lagen die weißen Hemden abrufbereit im Schrank.

Heute bin ich pensioniert und es sind jüngere Mitglieder da, die die Verantwortung für das Wohl des Orchesters übernommen haben. Aber hier und da kann ich doch noch helfend einspringen. Nach einer solchen kleinen unauffälligen Aktion rief mich ein jüngerer Kollege neulich an und bedankte sich ausdrücklich. Das kommt selten vor und darum erwarte ich das auch nicht. Aber ich muss zugeben: Ich habe mich so darüber gefreut, dass ich es hier erwähnenswert fand.

Herbert Löbbecke


 

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