© Orchester der Landesregierung Düsseldorf e.V.

Über uns

Wie alles begann – die ersten zehn Jahre

1948, das Gründungsjahr des Orchesters der Landesregierung Düsseldorf, ist ein turbulentes Jahr. In den drei Westzonen Deutschlands eskalieren die Ereignisse. Mit der D-Mark wird eine neue Währung ausgegeben, was dort zwar das Ende der Rationierungswirtschaft beschleunigt, zugleich aber wird die sowjetische Zone, wo zunächst weiterhin die Reichsmark im Umlauf ist, mit einer Inflation bedroht. Trotz sowjetischer Warnungen wird die D-Mark auch in West-Berlin eingeführt. Im Osten reagiert man darauf mit der Schließung der Land- und Wasserwege zwischen den Westzonen und West-Berlin. Die Berlinblockade beginnt. Der dramatische Hilfsappell des Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter an die Völker der Welt trägt dazu bei, dass die Westmächte alle Anstrengungen unternehmen, West-Berlin aus der Luft zu versorgen. Während die Berliner Dank der Luftbrücke der Aliierten Westmächte überleben, nimmt der Parlamentarische Rat in Bonn seine Arbeit auf, die schließlich in der Ausarbeitung des Grundgesetzes gipfelt. Das unter britischer Militärverwaltung stehende Düsseldorf wird nach Vorentscheidungen in London Hauptstadt des neu gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen.

Der damalige Chef der Staatskanzlei, Ministerialdirektor Dr. Wandersleb, regt an, neben dem bereits bestehenden Chor der Landesregierung, ein Orchester ins Leben zu rufen und beauftragt Wilhelm Nöckel mit der musikalischen Leitung. Schnell findet Nöckel Interessenten, doch so kurz nach dem Krieg fehlen Instrumente und Noten. Schließlich treffen sich im Oktober 1948 sechs Musiker zur ersten Probe: zwei erste Violinen, eine zweite Violine, ein Cello, eine Flöte und Klavier. Schon acht Jahre später, 1956, besteht das große Orchester aus fünfunddreißig Musikern und einer Kammermusik-Gruppe, die gemeinsam mit dem Chor der Landesregierung Barock-Repertoire erarbeitet und aufführt. Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens spielt das Orchester 1958 unter seinem neuen Leiter, Michael Rühl, im Düsseldorfer Robert-Schumann-Saal ein wahres Mammutprogramm: Das Largo C-Dur für Streichorchester von Francesco Maria Veracini, die Ouvertüre zur Oper „Die heimliche Liebe“ von Domenico Cimarosa und das Konzert für Oboe und Orchester C-Dur von Joseph Haydn. Nach der Pause folgen das Klavierkonzert A-Dur (KV 488) von Wolfgang Amadeus Mozart und die Sinfonie C-Dur „Jenaer“ von Ludwig van Beethoven/Friedrich Witt.

 


Meilensteine der Orchestergeschichte

Nach seinem Betritt in den „Bund Deutscher Liebhaberorchester“ 1958 entwickelt sich das Orchester der Landesregierung in den Folgejahrzehnten schnell zu einem festen Bestandteil des Düsseldorfer Musiklebens. Mit dem ersten Auftritt in der neu zum Konzertsaal umgebauten Tonhalle beginnt 1980 eine bis heute ununterbrochene Reihe von Sinfoniekonzerten. Und schon ein Jahr später, 1981, startet das Orchester der Landesregierung mit einem Konzertformat, für das Leonard Bernstein Pate stand. Gestaltet nach dem Vorbild seiner „Young Peoples Concerts“, die er im New Yorker Lincoln Center gab, wird schon das erste Jugendkonzert des Orchesters der Landesregierung in der ausverkauften Tonhalle ein großer Erfolg. Auch diese Konzertreihe ist bis heute ein fester Bestandteil des Düsseldorfer Musiklebens.

Neben regelmäßigen Auftritten in Düsseldorf avanciert das Orchester schnell zu einem Kulturbotschafter der Landesregierung im In- und Ausland. Paris ist 1976, mit Mozarts Requiem und Bachs Kreuzstabkantate, die erste Station. Es folgen Brüssel, Luxemburg, Prag und London. 1984 ist das Orchester zu Gast im Vatikan und spielt bei einem Gottesdienst am Hauptaltar des Petersdoms Joseph Haydns Missa Brevis in F-Dur. Der kontinuierlichen Tradition dieser Auslandsreisen folgend, führten die bislang letzten Reisen des Orchesters nach China, in das Baltikum, nach Polen und Russland.

In den siebzig Jahren seines Bestehens ist unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Nöckel, Michel Rühl, Franz Lamprecht und Eberhard Bäumler eine Spiel- und Klangkultur entstanden, die den sinfonischen Meilensteinen der Musikgeschichte gewachsen ist. So hat sich das Orchester der Landesregierung ein breites Repertoire erspielt, das von der Klassik und Romantik, über die Moderne, bis hin zu Oper, Operette und Filmmusik reicht. Diese sinfonische Vielfalt zeichnet heute einen Klangkörper aus, in dem Musiker unterschiedlicher Berufsgruppen unter der Leitung des neuen Orchesterchefs Christian Ludwig auf höchstem Niveau miteinander musizieren.

Reading – Düsseldorf: Eine Orchesterpartnerschaft

Das Orchester der Landesregierung ignoriert in seinem Tatendrang gerne auch die Landesgrenzen, sodass wir auf eine Vielzahl an Konzertreisen und Kooperationen, bspw. mit unserem Partnerorchester aus Reading, zurückblicken können. Unter anderem bereiste das Orchester in den letzten Jahren China, Estland, England, Litauen, Lettland und Polen und Russland.

Reading ist die Hauptstadt der Grafschaft Berkshire und liegt ca. 45 km westlich von London. Die Freundschaft zwischen Reading und Düsseldorf begann unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Die britische Armee hatte Düsseldorf besetzt und das Royal-Berkshire-Regiment war in Düsseldorf stationiert. Die damalige Bürgermeisterin Phoebe Cusden initiierte einen Jugendaustausch, aus dem sich vielfältige kulturelle Verbindungen entwickelten. Die offizielle Städtepartnerschaft wurde 1988 von beiden Seiten unterzeichnet. Seit 1998 besteht die enge Kooperation zwischen dem Reading Symphony Orchestra und dem Orchester der Landesregierung Düsseldorf. Bei besonders aufwändigen Werken mit großer Orchesterbesetzung wie der „ Alpensinfonie“ von Richard Strauss oder der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven unterstützen sich die Musiker der Partnerstädte gegenseitig.    

www.rso.org.uk

 
 

Christian Ludwig leitete von 2008-2011 als Dirigent und Künstlerischer Leiter das Kölner Kammerorchester und von 2011-2013 als Chefdirigent das Gwangju Symphony Orchestra in Südkorea. Er dirigierte bereits in der Kölner Philharmonie, dem ThéČtre des Champs-Élysées in Paris, im Prinzregententheater in München, in der Philharmonie Essen, im Konzerthaus Dortmund und in der Tonhalle Düsseldorf. Als Operndirigent dirigierte Christian Ludwig Puccinis Turandot, Verdis Troubadour und Ein Maskenball, Rossinis Barbier von Sevilla, Mozarts Cosi fan tutte und Don Giovanni an Opernhäusern wie den Staatstheatern Nürnberg und Karlsruhe sowie dem National Opera House of Korea. Seine bei Naxos International mit dem Kölner Kammerorchester veröffentlichten CDs mit Werken von Robert Fuchs wurden mit dem „Choc de Classica“ ausgezeichnet. 2017 wurde er mit dem Titel „Associate of the Royal Academy of Music in London” ausgezeichnet. 

 

Seit 2018 leitet er als ständiger Dirigent das Orchester der Landesregierung in Düsseldorf.

Der Dirigent